Tag Archives: Gentrifizierung

Friedel bleibt!

7 Dez

Friedel NeuköllnAm vergangenen Wochenende demonstrierten 800 Menschen durch die Berliner Stadtteile Neukölln und Kreuzberg, um ihre Solidarität mit dem räumungsbedrohten Kiezladen Friedel 54 auszudrücken. Lautstarke Parolen, ein Feuerwerk vom Dach und zahlreiche Solidaritätsbekundungen anderer bedrohter sozialer Projekte aus der ganzen Stadt untermauerten die Ansage, dass sich die Nutzer*innen und Hausbewohner*innen der Friedel 54 nicht dem Willen der Spekulantenfrima Citec aus Wien beugen und freiwillig zum 30. April 2016 gehen werden.

Radio Aktiv begleitete die Demo und berichtet in O-Tönen.

 

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Rassismus und die schwierige Suche nach einer Wohnung

1 Dez

Veranstaltung: Donnerstag | 03.12.2015 | 20:30 Uhr |
Café Cralle | Hochstäder Straße 10a

Rassismus Wohnungssuche Gentrifizierung Rassismus Wohnungssuche GentrifizierungDass es in Berlin schwer ist, eine „bezahlbare“ Wohnung zu finden, ist stadtweit bekannt. Im Zuge der Gentrifizierung vieler Kieze und den damit einhergehenden Umwandlungen in Eigentumswohnungen, steigenden Mieten und einem hohen Konkurrenzdruck bei den Wohnungsbesichtigungen, sind viele mögliche Mieter*innen gleich mehrfach von Diskriminierung und Ausgrenzung betroffen. Rassismus bei der Wohnungssuche ist das Stichwort und macht die Verknappung von Wohnraum für die Betroffenen noch schwerwiegender.

Die Sozialwissenschaftlerin Emsal Kilic hat bereits 2009 eine Studie zu rassistischen Diskriminierungen durchgeführt und berichtet über Praxisbeispiele sowie Diskriminierungs- und Ausgrenzungsmustern. Im Hinblick auf dezentrale Wohnraumvergaben für Menschen auf der Flucht, ist leider davon auszugehen, dass sich die rassistische, räumliche Segregation im Sinne der unsozialen Stadtaufwertung weiter verschärft. Gemeinsam mit euch möchte „Hände weg vom Wedding“ an diesem Abend über Perspektiven von Öffentlichkeit sowie antirassistischem Widerstand diskutieren.

Solidarität mit der Kolonierstr. 2

12 Nov

Am 12. November fanden sich die Mieter*innen der Koloniestraße 2 und Unterstützer*innen vor der SPD-Zentrale in der Müllerstraße zusammen. Sie protestierten gegen absurde Mieterhöhungen, die viele Bewohner*innen aus ihren Wohnungen verdrängen würde.

Koloniestraße Mieter-ProtestEtwa 60 Menschen haben heute vor der SPD-Zentrale demonstriert. Die SPD spreche von einer „sozialen Stadt“ weigere sich aber, die gesetzliche Legitimation für Entmietungstrategien und fiktive Kosten abzuschaffen, so die Bewohner*innen der Koloniestraße 2. Das Wohnraumversorgungsgesetz ist mehr als ungenügend.

„Findige Vermieter stellen Mieter/innen in Sozialwohnungen Kosten in Rechnung, die sie gar nicht haben und die längst mit Steuermitteln beglichen wurden“, kritisiert die Koloniestraße 2. Auf die Mieter*innen sollen ab Dezember absurde Mieterhöhungen zukommen. Ihr Haus wurde an einen neuen Besitzer verkauft. Dieser rechnet nun die ursprünglichen Baukosten für die Sozialwohnungen – 32 Millionen Euro – auf die heutige Miete an. Dadurch kommt es beispielsweise bei einigen Bewohner*innen zu Mietsteigerungen von 667 auf 1047 Euro.

170 Mietparteien mit 500 Personen sind davon betroffen. Doch sie wehren sich: „Wir sind nicht mehr bereit, das zu akteptieren und Beschwichtigungen, Vertröstungen und Vertagungen hinzunehmen.“

35 Jahre solidarisches Wohnen in Selbstverwaltung

19 Okt

Seit nun fast schon 35 Jahren gibt es die Groni50. Im November 1980 wurde unser Hinterhaus in der Groninger Straße 50 besetzt. Bis heute bietet die Groni50 Raum für solidarisches Wohnen und politische Initiativen. Doch muss nun der Mietvertrag mit der GESOBAU AG neu verhandelt werden und die Zukunft ist ungewiss.

Groni50„Die Zahl der Wohnungssuchenden wird immer größer“, schrieben die Besetzer*innen unseres Hauses 1980 in ihre Presseerklärung. Nach erfolglosen Gesprächsangeboten entschieden sie sich, zur „Selbsthilfe“ zu greifen und besetzten das Hinterhaus in der Groninger Straße 50. Das Haus sollte abgerissen werden, obwohl es an bezahlbarem Wohnraum – gerade auch für finanziell nicht gut ausgestattete Menschen – mangelte. Nach zähen Verhandlungen mit der Eigentümerin, der GESOBAU AG, übernahm 1983 der nun gegründete Verein Groni50 e.V. das Haus in Selbstverwaltung. Bis heute ist die Groni50 ein Ort für viele Menschen, die Wohnen gemeinsam, solidarisch und selbstorganisiert gestalten wollen. Die Werkstatt und der Veranstaltungsraum werden für die regelmäßigen Küfas, Fahrradreparaturen oder von Initiativen aus dem Kiez zum Treffen genutzt.

Das Statement der BGroni50esetzer*innen von damals gilt bis heute. Stadtumstrukturierungen und Verdrängungsprozesse finden nicht erst seit gestern statt, sondern sind in Berlin schon lange Alltag. Viele Menschen suchen bezahlbaren Wohnraum und werden dabei immer weiter in die Außenbezirke verdrängt. Mitte? Wer kann dort noch wohnen? Dagegen stellen sich Nachbarschaftsinitiativen, Kiezgruppen und Projekte, wie die Groni50. Sich zusammenzuschließen und politischen Druck aufzubauen ist oftmals die einzige Möglichkeit für Mieter*innen, sich gegen Mietsteigerungen oder Zwangsräumungen zur Wehr zu setzen.

Und auch Groni50die Groni50 muss nun wieder einen neuen Vertrag mit der GESOBAU AG verhandeln. Der alte läuft im September 2016 aus. Die Knackpunkte sind: Vertragslaufzeit, Mietpreis und die Autonomie des Vereins. Zur Zeit bereitet der Groni50 insbesondere die derzeit von der GESOBAU AG angebotene Mietpreissteigerung von mehr als 40 Prozent bei Neuabschluss unseres Mietvertrages und eine Laufzeitbeschränkung Sorgen.

Für ein soziales und politisches Projekt wie die Groni50, das vielen unterschiedlichen Menschen ein zu Hause und für diverse Initiativen ein Ort des Austausches ist, bedeutet das eine große Unsicherheit. Wir wollen eine unbefristete Zukunft für unser Projekt und einen bezahlbaren Wohnraum, in dem wir in Selbstverwaltung leben können!

Andrea bleibt, Räumung is nich!

7 Okt

 

Kommt zur KIEZDEMO // FR, 9.10. // 17 Uhr
U6 KAISERIN-AUGUSTA-STRASSE
Ausgang Richtung Albrechtstr. // Berlin-Tempelhof

Andrea und ihr Sohn sollen „freiwillig“ ihre Wohnung verlassen. Wenn sie nicht ausziehen, werden sie zwangsgeräumt. Das wollen wir verhindern!

Am 9.10. wollen wir gemeinsam und lautstark mit Megaphon und Flyern die Nachbar*innen von Andrea und ihr Sohn über die anstehende Zwangsräumung informieren, damit sie nicht still und leise und am besten gar nicht stattfindet!

Zusammen haben wir schon Zwangsräumungen verhindert oder erreicht, dass Leute andere Wohnungen bekommen. Wir freuen uns über viele solidarische Mitstreiter*innen, denn gemeinsam können wir uns wehren gegen hohe Mieten, Verdrängung und Zwangsräumungen.

Da die Eigentümerinnen von Andreas Wohnung in Köln leben, gab es auch dort verschiedene Protestaktionen. Andrea wird unterstützt von Kalle, der selbst zwangsgeräumt wurde, und nun weiter gegen Verdrängung aktiv ist. Parallel zu unserer Kiezdemo wird es eine Aktion in Köln geben.

Kommt zur Kiezdemo nach Tempelhof!

Mieterhöhungen sind keine Selbstverständlichkeit

28 Sep

Schon im März lehnte das Berliner Amtsgericht in erster Instanz die Klage der Eigentümer der Brunnenstraße 6/7 ab. Nun hat auch das Landgericht die Argumente der Mieter*innen bestätitgt. Hier findet ihr die Pressemitteilung der Brunnen 6/7.

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Mieterhöhungen sind keine Selbstverständlichkeit: Widerstand zahlt sich aus – Landgericht folgt ohne Verhandlung der Mieter_innen-Argumentation auf ganzer Linie

Im Hausprojekt Brunnenstr. 6/7 sind „Mieterhöhungen ausgeschlossen“. Ohne Wenn und Aber.
So steht es in den Mietverträgen der 80-90 Bewohner_innen, und so ist auch die Auslegung des Landgerichts in zweiter Instanz. Am 17.9.2015 erging der Beschluss, die Berufung des Vermieters abzuweisen und damit die Klage auf Zustimmung zur Mieterhöhung endgültig abzulehnen. „Wir haben mit unserer Auffassung 100% Recht bekommen. Zusammenhalten und zusammen kämpfen lohnt sich!“ sagte eine Vertreterin des Projekts in einer ersten Reaktion.

Den betreffenden Passus hatten die Besetzer_innen vor über 15 Jahren erkämpft – nun wollte der Hauseigentümer selbst den damals am Runden Tisch mit der Stadt gefundenen Kompromiss kippen.

Im Hausprojekt hatte es nach Besetzung, Verhandlungen am Runden Tisch und Sanierung eine Staffelmiete gegeben. 2013 hatte der Vermieter die Mieter_innen aufgefordert, eine Mieterhöhung in Höhe der gesetzlichen Höchstgrenze zu zahlen. Das hatten diese mit Verweis auf eine Klausel im Mietvertrag abgelehnt: „Weitere Mieterhöhungen sind ausgeschlossen.“ Der Vermieter entschied sich daraufhin, eine Mieterin zu verklagen. Am 4.3. folgte das Amtsgericht in einer ca.10-minütigen Verhandlung der Argumentation von Moritz Heusinger, Anwalt der Mieter_innen, dass die Formulierung im Mietvertrag eine Mieterhöhung endgültig ausschließe. Dem schloss sich das Landgericht nun ohne Verhandlung an. Da half es dem Vermieter auch nichts, Vorwürfe von vor 20 Jahren aus der Mottenkiste zu holen. Weiterlesen

Prekärer Wedding – eine Geschichte der Armut in Berlin

25 Sep

Wie funktioniert ein Mieterstreik? Was ist ein Lausoleum? Gab es in der Wiesenburg wirklich nur arme Ritter?

Berliner SpurensucheAuf der Stadtspazierfahrt der Berliner Spurensuche erkundet ihr die Geschichte der Armut im Wedding, begleitet stellungslose Dienstmädchen und bettelnde Kriegsinvaliden, besucht ein ehemaliges Obdachlosenasyl und lernt Protestformen und Eigeninitiativen kennen.

Der Rundgang startet an der Ecke Bernauer Straße /Ackerstraße und endet nach ca. 2 Stunden an der Kösliner Straße. Bitte Fahrräder mitbringen.

Start: 26. September 2015, 13 Uhr
Ort: Bernauer-/Ackerstraße

Die Rundfahrt dauert etwas zwei Stunden, endet an der Köseliner Straße und kostet 11 Euro.

Kämpfende Hütten!

25 Sep

Am 1. Oktober eröffnet die Ausstellung „Kämpfende Hütten – Urbane Proteste in Berlin von 1872 bis heute“ in Kreuzberg, im Südflügel des Bethanien. Hier findet ihr die Beschreibung des Ausstellungskollektivs und das vorläufige Programm. Wer auch noch eine Veranstaltung anbieten möchte kann sich unter kaempfendehuetten@riseup.net melden.

kaempfendehuettenKotti & Co., die Palisadenpanther, blockierte Zwangsräumungen, Refugees besetzen eine ehemalige Schule, Rentner_innen ihre Freizeitstätte, nachts brennen Autos und jetzt werden Unterschriften für einen Mietenvolksentscheid gesammelt. Die Kämpfe um die Stadt in Berlin nehmen zu und zwar rasant. Aus NachbarInnen werden solidarische Nachbarschaften, die sich gegen steigende Mieten, Zwangsräumungen und Verdrängung wehren.

Aber wer hat schon einen Überblick über die aktuellen Kämpfe? Oder gar über die Geschichte urbaner Proteste in Berlin? Wer weiß schon, dass Ulrike Meinhof im Märkischen Viertel Stadtteilarbeit machte? Wie war das mit dem Häuser besetzen in West und Ost und wo wird gerade die Stadt der Zukunft verhandelt?

Wir sind auf alle Fälle dabei, mit unserer Ausstellung „KÄMPFENDE HÜTTEN – Urbane Proteste in Berlin von 1872, den Blumenstraßenkrawallen, bis heute. Vom 01.10.2015 bis 18.10.2015 im TheaterSpielRaum im Südflügel des Bethanien in Kreuzberg, jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Abends dann mit Filmen und Diskussionen und aktuellen Planungen für eine Stadt für alle und natürlich mit uns.

Euer Ausstellungskollektiv

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Mietverträge – Die größten Fallstricke

23 Sep

Wer kennt das nicht? Der Umzug in die neuen vier Wände steht bevor, doch der Stress mit dem alten Vermieter trübt die Vorfreude auf das neue Heim: Aufwendige Schönheitsreparaturen stehen im Raum oder etwaige Nebenkosten sollen mit der Kaution verrechnet werden etc. Es gibt also viele Fallstricke.

Auszug aus dem nd-Ratgeber

Um vorweg Ärger zu vermeiden, sollten Mieter bereits bei Unterzeichnung des Mietvertrages aufmerksam sein. Fabian Mellin vom Immobilienportals moovin erklärt an Hand aktueller Fallstricke, worauf Mieter achten müssen.

Das Beste zuerst: Kein Mieter muss automatisch bei Auszug die Wohnung renovieren. Laut aktueller Gesetzeslage sind Schönheitsreparaturen Sache des Vermieters. Aber: Ist im Mietvertrag eine wirksame Klausel über Schönheitsreparaturen vereinbart, muss der Mieter renovieren.

Noch mehr zu Energieeffizienzklassen, Zweckentfremdungen, Selberbauen und Haustieren in Mietverträgen findet Ihr im ganzen Artikel beim nd-Ratgeber.

Falls sich noch nicht alle Fragen klären lassen, gibt es am Montag, den 28. September, um 18 Uhr im FAU-Büro in der Lottumstraße 11 (Prenzlauer Berg) die Mieter*innenberatung der FAU Berlin in Kooperation mit Rechtsanwältin Carola Handwerg. Diese Beratung findet jeden 4. Montag im Monat statt.

„Wohnen in Berlin – ganz toll?“

21 Sep

Die gewerkschaftlichen Erwerbslosengruppen im Koordinierungskreis (KOK) des DGB Berlin und die Berliner MieterGemeinschaft laden zu einer Veranstaltung über die Entwicklung des Wohnungsmarktes, die Auswirkungen für Erwerbslose und Menschen mit geringem Einkommen und die praktischen Folgen der „neuen“ AV-Wohnen ein.

Information und Diskussion am

Donnerstag, 24. September 2015, 17 Uhr
DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Saal, Keithstraße 1+3 (Eingang Kleiststr. 19-21), 10787 Berlin
Bus M 19, M 29, M 46, U-Bhf. Wittenbergplatz

Ergebnisse des Mietspiegels 2015 und die politischen Folgerungen
Joachim Oellerich, Berliner Mietergemeinschaft, Chefredakteur des MieterEcho

Mietersituation und Segregation in Berlin
Dr. Andrej Holm, Humboldt-Universität zu Berlin

Die neue AV-Wohnen – wieder ohne „schlüssiges Konzept“
Udo Geiger, Richter am Sozialgericht Berlin

Moderation: Walter Kuhn, DGB Berlin-Brandenburg, Abt. Arbeitsmarktpolitik