Tag Archives: Sozialer Wohnungsbau

„Die Zeche für das Versagen von Markt und Staat zahlen die Mieter“

24 Mrz

Andrej Holm über Wohnraum-Versorgung und Wohnraum-Mangel in Deutschland. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gentrification, Wohnungspolitik im internationalen Vergleich und Europäische Stadtpolitik.

Was sind die wesentlichen Gründe dafür, dass es in bestimmten Metropolen
und Regionen in Deutschland heute einen Wohnraum-Mangel gibt?

Andrej Holm: Die in einigen Städte drohende Wohnungsnot hat verschiedene Ursachen. Neben demografischen Effekten, den starken Wanderungsgewinnen mancher Städte in den letzten Jahren, sind es vor allem ökonomische und politische Ursachen, die zur aktuellen Problemlage geführt haben. Es wäre zu einfach, den Mangel an Wohnungen auf das Missverhältnis zwischen starkem Bevölkerungswachstum und stagnierender oder sogar rückläufiger Bautätigkeit zu verkürzen. Eine Ursache ist offensichtlich, dass Investitionen in den Neubau für einen Großteil der privaten Marktakteure ökonomisch nicht attraktiv genug sind. Das hat weniger mit den hohen Baupreisen als mit der wachsenden Ertragserwartung der Investoren zu tun. Solange mit Spekulationen auf starke Mietsteigerungen im Bestand eine hohe Rendite erzielt werden kann, wird es kein großes Interesse am Wohnungsneubau geben.

Lest das ganze Interview mit Andrej Holm: www.annotazioni.de

Solidarität mit der Kolonierstr. 2

12 Nov

Am 12. November fanden sich die Mieter*innen der Koloniestraße 2 und Unterstützer*innen vor der SPD-Zentrale in der Müllerstraße zusammen. Sie protestierten gegen absurde Mieterhöhungen, die viele Bewohner*innen aus ihren Wohnungen verdrängen würde.

Koloniestraße Mieter-ProtestEtwa 60 Menschen haben heute vor der SPD-Zentrale demonstriert. Die SPD spreche von einer „sozialen Stadt“ weigere sich aber, die gesetzliche Legitimation für Entmietungstrategien und fiktive Kosten abzuschaffen, so die Bewohner*innen der Koloniestraße 2. Das Wohnraumversorgungsgesetz ist mehr als ungenügend.

„Findige Vermieter stellen Mieter/innen in Sozialwohnungen Kosten in Rechnung, die sie gar nicht haben und die längst mit Steuermitteln beglichen wurden“, kritisiert die Koloniestraße 2. Auf die Mieter*innen sollen ab Dezember absurde Mieterhöhungen zukommen. Ihr Haus wurde an einen neuen Besitzer verkauft. Dieser rechnet nun die ursprünglichen Baukosten für die Sozialwohnungen – 32 Millionen Euro – auf die heutige Miete an. Dadurch kommt es beispielsweise bei einigen Bewohner*innen zu Mietsteigerungen von 667 auf 1047 Euro.

170 Mietparteien mit 500 Personen sind davon betroffen. Doch sie wehren sich: „Wir sind nicht mehr bereit, das zu akteptieren und Beschwichtigungen, Vertröstungen und Vertagungen hinzunehmen.“

Auswertung und Perspektiven des Mietenvolksentscheids

29 Sep

Das Vorbereitungsteam im Kooordinierungskreis der Initiative Mietenvolksentscheid lädt am 2. Oktober zum Auswertungs- und Perspektivenworkshop. Einen interessanten Debattenbeitrag gibt es bei „Wir bleiben alle!

Datum: Freitag, 2. Oktober 2015, 17.00 Uhr
Ort: Ex-Rotaprint, Projektraum Gottschedstraße 4, nähe U Nauener Platz
Dauer: ca. 3,5 Stunden

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, liebe Freundinnen und Freunde,

in den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Pressemeldungen über eine „Einigung“ und einen „Kompromiss“ rund um den Mietenvolksentscheid, für den wir uns alle einsetzen. Es gab viele Diskussionen hinsichtlich des Für und Wider der Vorgehensweise, aber wohl nicht ausreichend Raum, um alles in Ruhe miteinander zu besprechen.
Deshalb möchten wir alle, die uns in den letzten Monaten aus nah und fern begleitet haben, zu einem solchen Gespräch einladen. Wir möchten mit euch den Gesetzentwurf des Senats, den politischen Prozess und mögliche Perspektiven diskutieren.

Im ersten Teil des Treffens werden wir uns in vier Kleingruppen aufteilen. Wir wollen die Bewertung des Senatsgesetzes weder nur den Expertinnen und Experten überlassen, noch den euphorischen Pressemeldungen. Darum wollen wir das Gesetz des Mietenvolksentscheid im Vergleich mit dem Senatsgesetz aufgeteilt entlang der drei inhaltlich zusammenhängenden Themenbreiche: (1) Sozialer Wohnungsbau Bestand und Mietensubvention, (2) kommunale Wohnungsunternehmen sowie (3) Wohnraumförderfonds besprechen, bewerten undweitergehende Forderungen entwickeln. Eine weitere Kleingruppe ist eingeladen (4) den politischen Prozess und die jetzige Situation im Zusammenhang mit dem Mietenvolksentscheid zu diskutieren, sowie eine erste Auswertung zu geben.

Nachdem wir alles zusammengetragen haben, ist geplant das gemeinsame Gespräch über kurz- und mittelfristige Perspektiven zu beginnen.

Wir freuen uns auf euch!

Das Vorbereitungsteam im KoKreis der Initiative Mietenvolksentscheid

PS: Eingeladen sind alle Einzelpersonen und Initiativen, die den Mietenvolksentscheid in irgendeiner Form unterstützt haben. Wir bitten alle, die in ihrer Rolle als Vertreterinnen und Vertreter von Parteien oder der Presse am Treffen teilnehmen wollen, sich gerne mit uns an einem anderen Zeitpunkt in Verbindung zu setzen.