Tag Archives: Verdrängung

Prachttomate statt Eigentumswohungen!

2 Mrz

Man könnte schon meinen, es sei Satire, aber nein, immer weiter dreht sich die Verdrängungsspirale. Nun trifft es den Gemeinschaftsgarten Prachttomate in der Bornsdorfer Straße.

Die Prachttomate ist ein Treffpunkt für die Neuköllner Nachbar*innenschaft. Hier wird nicht nur gegärtnert und angebaut, sondern es werden Filme gezeigt, diskutiert, zusammen gefeiert. Außerdem gibt es Tauschmärkte und Workshops zu allerlei Themen. Das Gärtnern funktioniert durch gegenseitiges Lernen und mit viel Experimentierfreude. Und am Ende haben alle was von der Ernte. Individuelle Beete gibt es nicht.

Seit Ende Februar ist es nun raus: Ein Baugruppendienstleister hat im Januar ein Drittel der Fläche gekauft. Errichtet werden soll ein fünfgeschossiges Gebäude mit – na, was? – Eigentumswohnungen. Der Bezirk Neukölln könnte das Vorverkaufsrecht ausüben und so ein niedrigschwelliges soziales und ökologisches Projekt retten. Doch der Finanzsenator zeigt sich wenig interessiert.

Mal wieder müsste ein sinnvolles Projekt der Nachbar*innenschaft für teure Eigentumswohnungen weichen. Wie oft soll das eigentlich noch passieren?

Hier findet Ihr die Pressemitteilung der Prachttomate.

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Antifaschistischem Pressearchiv droht Rausschmiss

23 Dez

Lause bleibt!Kreuzberger Wohn- und Gewerbekomplex in der Lausitzer Straße soll vergoldet werden

Von Nicolas Šustr, neues deutschland

»Für uns ist schon im März Schluss«, sagt Anna Rossetti vom Projekt »Flucht nach vorn«, das unbegleiteten jungen Flüchtlingen unter anderem Deutschkurse anbietet und Bildungsperspektiven eröffnet. Der alte Mietvertrag in dem Wohn- und Gewerbekomplex Lausitzer Straße 10/11 läuft dann aus. Die neue Miete kann sich das Projekt nicht leisten, das seit 1990 in dem Haus ist. Die neue hohe Miete ist allerdings nicht im luxuriösen Zustand des Gebäudes begründet. »Die Heizung funktioniert andauernd nicht und der Wasserschaden, den es Anfang des Jahres gab, ist immer noch nicht behoben«, berichtet Rossetti. Es ist einfach die Lage, Lage, Lage, wie Makler sagen würden.

»Seit Google seinen Campus in der Ohlauer Straße gleich um die Ecke aufgemacht hat, scheint Taekker Blut geleckt zu haben«, sagt Laura Maikowski. Die Mediengestalterin ist mit ihrer Firma »Bildargumente« Mieterin in dem Objekt. »Alle Gewerbemieter haben neue Verträge bekommen, die 2017 auslaufen«, berichtet sie.

Zum ganzen Artikel im neuen deutschland

„Die Zeche für das Versagen von Markt und Staat zahlen die Mieter“

24 Mrz

Andrej Holm über Wohnraum-Versorgung und Wohnraum-Mangel in Deutschland. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gentrification, Wohnungspolitik im internationalen Vergleich und Europäische Stadtpolitik.

Was sind die wesentlichen Gründe dafür, dass es in bestimmten Metropolen
und Regionen in Deutschland heute einen Wohnraum-Mangel gibt?

Andrej Holm: Die in einigen Städte drohende Wohnungsnot hat verschiedene Ursachen. Neben demografischen Effekten, den starken Wanderungsgewinnen mancher Städte in den letzten Jahren, sind es vor allem ökonomische und politische Ursachen, die zur aktuellen Problemlage geführt haben. Es wäre zu einfach, den Mangel an Wohnungen auf das Missverhältnis zwischen starkem Bevölkerungswachstum und stagnierender oder sogar rückläufiger Bautätigkeit zu verkürzen. Eine Ursache ist offensichtlich, dass Investitionen in den Neubau für einen Großteil der privaten Marktakteure ökonomisch nicht attraktiv genug sind. Das hat weniger mit den hohen Baupreisen als mit der wachsenden Ertragserwartung der Investoren zu tun. Solange mit Spekulationen auf starke Mietsteigerungen im Bestand eine hohe Rendite erzielt werden kann, wird es kein großes Interesse am Wohnungsneubau geben.

Lest das ganze Interview mit Andrej Holm: www.annotazioni.de

Keine Profite mit der Miete – Kurzer Bericht zur stadtpolitischen Aktivenkonferenz

28 Feb

Berlin boomt, von den europäischen Außengrenzen lassen sich immer weniger Migrant_innen abschrecken und mit Wohnen wird immer noch haufenweise Profit gemacht. Ein passender Zeitpunkt, um sich als stadtpolitische_r Aktivist_in mal wieder in größerer Runde auszutauschen. Nach der unglücklichen Entwicklung die der Mietenvolksentscheid im vergangenen Jahr genommen hat – juristische Zweifel, Rückzieher, Kompromiss, Vereinnahmung – luden die damaligen Initiator_innen und andere zu der Konferenz am 26. und 27. Februar an der TU Berlin ein. Selbstverständlich fühlten auch wir uns von der Veranstaltung angesprochen, da wir uns derzeit in langwierigen Verhandlungen mit der GESOBAU befinden.

Die Veranstalter_innen waren mit der gut besuchten Konferenz zufrieden, insbesondere weil sich viele unterschiedliche Initiativen und Kiezgruppen beteiligten. Neben bekannten Akteur_innen, wie Kotti & Co. oder der Interventionistischen Linken, konnte man auch Women in Exile, das Mietshäusersyndikat oder die kämpfenden Mieter_innen aus der Koloniestraße im Wedding oder vom Hansaufer in Moabit treffen. Von den vielen akut bedrohten linksradikalen Projekten, beispielsweise Friedel 54, Drugstore/ Potse, M99, Rigaer 94 oder aus der Wagenplatzszene war die Beteiligung allerdings verschwindend gering. Schade, lief doch der Kampf gegen Gentrification und für linke Freiräume lange und erfolgreich Hand in Hand.

Doch worum ging es konkret? Die Einladung hält fest: „3.000 Sozialwohnungen pro Jahr will der Senat in den nächsten Jahren fördern, mit viel zu kurzen Bindungen. Viel zu wenig: Berlin ist allein 2014 um 48.000 Menschen angewachsen. Wohnungsverbände und Politik schätzen, dass bis 2030 etwa 300.000 neue Wohnungen geschaffen werden müssen. Ein Konzept gibt es bislang allerdings nicht, und dass dabei die Bezahlbarkeit für alle Priorität hätte, ist nicht zu erwarten. Zugleich singt die Politik immer noch das hohe Lied auf Investor*innen, die man zum Bauen anregen will. […] Die Schaffung von günstigem Wohnraum ist ein wichtiger Beitrag um eine rassistische Spaltung der Stadtgesellschaft angesichts der vielen Neuberliner*innen aus den Krisenregionen dieser Welt zu verhindern.“

Stadtpolitische Aktivenkonferenz an der TU Berlin am 26./27.2.2016

Stadtpolitische Aktivenkonferenz an der TU Berlin am 26./27.2.2016 Weiterlesen

Solidarität mit der Kolonierstr. 2

12 Nov

Am 12. November fanden sich die Mieter*innen der Koloniestraße 2 und Unterstützer*innen vor der SPD-Zentrale in der Müllerstraße zusammen. Sie protestierten gegen absurde Mieterhöhungen, die viele Bewohner*innen aus ihren Wohnungen verdrängen würde.

Koloniestraße Mieter-ProtestEtwa 60 Menschen haben heute vor der SPD-Zentrale demonstriert. Die SPD spreche von einer „sozialen Stadt“ weigere sich aber, die gesetzliche Legitimation für Entmietungstrategien und fiktive Kosten abzuschaffen, so die Bewohner*innen der Koloniestraße 2. Das Wohnraumversorgungsgesetz ist mehr als ungenügend.

„Findige Vermieter stellen Mieter/innen in Sozialwohnungen Kosten in Rechnung, die sie gar nicht haben und die längst mit Steuermitteln beglichen wurden“, kritisiert die Koloniestraße 2. Auf die Mieter*innen sollen ab Dezember absurde Mieterhöhungen zukommen. Ihr Haus wurde an einen neuen Besitzer verkauft. Dieser rechnet nun die ursprünglichen Baukosten für die Sozialwohnungen – 32 Millionen Euro – auf die heutige Miete an. Dadurch kommt es beispielsweise bei einigen Bewohner*innen zu Mietsteigerungen von 667 auf 1047 Euro.

170 Mietparteien mit 500 Personen sind davon betroffen. Doch sie wehren sich: „Wir sind nicht mehr bereit, das zu akteptieren und Beschwichtigungen, Vertröstungen und Vertagungen hinzunehmen.“