Tag Archives: Gentrifizierung

Was ist mit der Friedel54?

20 Jul

Friedel54Nachdem die Kämpfe gegen Gefahrengebiete und um die Rigaer Straße in der letzten Zeit die Auseinandersetzungen um eine Stadt für alle prägten, wollen wir hier einmal wieder die aktuellen Entwicklungen zur Friedelstraße verbreiten. Die Friedel kämpft um ihren Erhalt und befand sich seit April in Verhandlungen mit dem Eigentümer. Doch ohne Information der Bewohner*innen und Nutzer*innen wurde das Haus nun weiterverkauft. Wir sprechen hiermit unsere Solidarität mit den Aktivist*innen aus. Wir kämpfen gemeinsam!

Lest hier das Statement des Kiezladen-Solikollektivs:

Seit dem 29. April befindet sich die Hausgemeinschaft mit der Eigentümerin des Hauses in der Friedelstraße 54 in Kaufverhandlungen. Unser Kiezladen im Erdgeschoss ist seit dem 1. Mai 2016 gekündigt. Aus den direkten Verhandlungen haben wir uns zurückgezogen. Wir haben jedoch stets zur Kenntnis genommen, wie schleppend diese voran gehen. Es ist vor allem die Citec, die das langsame Voranschreiten durch zögernde oder gar keine Antworten provoziert.

Nun haben wir, nachdem das Gerüst im Innenhof bereits abgebaut wurde, erfahren, dass im Grundbuch bereits seit dem 1. Juli eine Vormerkung eingetragen ist. Die Firma heißt laut Grundbuchamt „Pinehill s.a.r.l.“ und hat ihren Sitz in Luxemburg. Es scheint so als wäre der Verkauf des Hauses so gut wie abgewickelt. Konkret heißt das nun, dass neben dem Kiezladen auch der anderen Gewerbeeinheit im Erdgeschoss gekündigt wurde. Neben unserem Kiezladen ist seit Jahren ein Zahntechniker ansässig. Wir vermuten, dass es sich hierbei um einen taktischen Zug der Citec handelt. Ein Haus mit freien Gewerbeeinheiten verkauft sich nunmal besser.

Rückblickend betrachtet kann man davon ausgehen, dass die Taktik der Citec von vorn herein war, den Widerstand vom Haus und ihren Unterstützer*innen gering zu halten. Die Lokalpolitik um die Neuköllner Bürgermeisterin Giffey und den Baustadtrat Blesing war stets informiert darüber, wie bemüht und zielstrebig die Hausgemeinschaft die Verhandlungen geführt hat. Aber tatsächlich mitgewirkt hat aus der Politik niemand. Und so zeigt sich mal wieder, dass die Neuköllner Politik nur ein Teil des ganzen Berliner Problems ist, das Verdrängung entweder zulässt oder bewusst fördert.

Das ist soweit alles was wir sicher wissen. Es ist eine Schweinerei, dass das Haus ohne Benachrichtigung an die Bewohner*innen und Nutzer*innen verkauft wurde. Wir werden jetzt weiter Informationen sammeln und zusammen mit der Hausgemeinschaft und euch allen Unterstützer*innen dafür kämpfen, das Haus doch noch dem Markt zu entziehen. Es bleibt weiterhin das Ziel, die Friedelstraße 54 in Selbstverwaltung zu bringen. Doch der*die neue Eigentümer*in scheint keine Angst vor unserem Widerstand zu haben, sonst hätte er*sie diese Immobilie nicht erworben. Deshalb müssen wir uns auf jede erdenkliche Situation vorbereiten. Achtet dazu bitte auf Ankündigungen!

In Solidarität mit allen von Verdrängung Betroffenen,
euer Kiezladen Friedel54 Kollektiv

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Rigaer 94 verteidigen! Investor*innenträume platzen lassen!

8 Jul

Nichts ist Vorbei! Rigaer 94 verteidigen! Investor*innenträume platzen lassen! Samstag 9. Juli / Wismarplatz / 20.30 Uhr Auftaktkundgebung / 21 Uhr Demostart!

Rigaer 94 verteidigenSeit Wochen werden die Bewohner*innen der Rigaer Straße von der Polizei belagert und der ganze Friedrichshainer Kiez wird mit willkürlichen Behördenmaßnahmen gegängelt. „Gefahrengebiet“ heißt die vermeintliche Rechtfertigung dafür.

Wir rufen alle dazu auf, sich mit den Bewohner*innen solidarisch zu zeigen, Verdrängungspolitik und Repression nicht hinzunehmen sowie dem Ausspielen von Kämpfen von Geflüchteten und um eine Stadt für alle eine klare Absage zu erteilen.

Morgen, am 9. Juli wird um 13 Uhr am Potsdamer Platz eine Demo gegen das mörderische EU Grenzregime stattfinden. Wir rufen hiermit alle dazu auf, sich an der Demo gegen alle Abschiebeabkommen zu beteiligen.

Ebenso morgen, am 9. Juli, um 20.30 Uhr heißt es zum Demostart am Wismarplatz „Rigaer 94 verteidigen! Investor*innenträume platzen lassen!“.

Route: Start Wismarplatz – Boxhagenerstr. – Mainzerstr. – Scharnweberstr. – Kinzigstr. – Frankfurter Allee – Voigtstr. – Rigaerstr. – Proskauerstr. – Eldenaerstr. – Liebigstr. – Rigaerstr. – Proskauerstr. – Frankfurter Allee – Warschauerstr. – Mühlenstr. – Stralauer Platz (Ostbahnhof)

Das Leben ist kein Ponyhof

19 Jun

Die Weddinger Kinderfarm soll geräumt werden. „Farmer“ des Kinder- und Jugendprojekts wehren sich und drohen mit Besetzung des Geländes.

„Zeit für Solidarität“ steht auf dem Transparent am Eingang der Weddinger Kinderfarm an der Luxemburger Straße. Seit 33 Jahren besteht der Ponyhof, den täglich Dutzende Kinder besuchen. Am kommenden Montag soll er nun aber geräumt werden.

Die für Jugendarbeit zuständige Bezirksstadträtin von Mitte, Sabine Smentek (SPD), hat erklärt, dass der Bezirk seine Rechtsposition in diesem Fall durchsetzen will. „Leider ist es im vergangenen Jahr zu erheblichen Störungen in der Zusammenarbeit mit dem Träger gekommen, die eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich machen“, schreibt die Politikerin über die Kinderfarm.

Den ganzen Artikel in der taz lesen.

Wohnen für alle!

15 Jun
Gentrifizierung, Protest

Foto: Rasande Tyskar, cc

Am 13. Juni 2016 erschien die Studie „Soziale Wohnungsversorgung in Berlin“. Die Studie vergleicht Bedarf und Bestand an leistbaren Wohnungen in Berlin.

Sie kommt u. a. zu dem Ergebnis, dass es absolut an 125.000 Wohnungen mangelt und dass 110.000 Wohnungen mehr benötigt werden, die barrierearm sowie altersgerecht sind. Außerdem braucht es 25.000 günstige Wohnungen für Geflüchtete.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse gibt es auf: gentrificationblog.wordpress.com

Die Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse sind hier zu finden.

Protest gegen Immobilienwirtschaft

9 Jun

 

Am 8. Juni demonstrierten über 300 Mieter*innen und Aktivist*innen in Berlin gegen den „Tag der Immobilienwirtschaft“. Bei der exklusiv gehaltenenVeranstaltung im Berliner Stadtschloss tafen Lobbyist*innen auf führende Politiker*innen aus Bund und Land. Diese Verquickung von Interessen kritisierten die Protestierenden als Berliner Filz.

Mit Konfettiwürfen und kleineren Blockaden fordeten sie lautstark guten Wohnraum für alle und wiesen die Feiernden auf die veheerenden Auswirkungen einer marktbasierten Wohnungspolitik hin.

Weitere Infos unter:

berlinfueralle.org und zwangsraeumungverhindern.org

 

Soziale Miete ist Ansichtssache

20 Mai

Der Berliner Senat stellt Bilanz des »Bündnisses für bezahlbare Mieten« vor. Er bezeichnet den Mietverzicht der Wohnungsbaugesellschaften in eigenen Worten als »Stadtrendite«. Vielen der Kritikerinnen und Kritiker ist dieser Ertrag noch nicht hoch genug.

Von Nicolas Šustr, neues deutschland

10,3 Millionen Euro, auf diese Summe haben die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften vergangenes Jahr verzichtet. Grund ist das 2012 zwischen Senat und Gesellschaften geschlossene »Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten«. Kern sind verschiedene Kappungsgrenzen und Belegungsverpflichtungen nach sozialen Kriterien. »Die Wohnungsbaugesellschaften haben uns durch den Verzicht eine Stadtrendite zurückgegeben«, sagt Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD) bei Vorstellung des Berichts. »Sie sind neben den Genossenschaften ein ganz wichtiger Anker für die sozial durchmischte Stadt.«

Überlagert wird das Bündnis seit einigen Monaten vom neuen Berliner Wohnraumversorgungsgesetz, das viele der bereits angewandten Regelungen nun rechtlich normiert. So sind die Gesellschaften nun verpflichtet, bei Neuvermietungen bis zu 55 Prozent der Wohnungen an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein (WBS) zu vergeben.

Den ganzen Artikel im neuen deutschland lesen.

„Die Zeche für das Versagen von Markt und Staat zahlen die Mieter“

24 Mrz

Andrej Holm über Wohnraum-Versorgung und Wohnraum-Mangel in Deutschland. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gentrification, Wohnungspolitik im internationalen Vergleich und Europäische Stadtpolitik.

Was sind die wesentlichen Gründe dafür, dass es in bestimmten Metropolen
und Regionen in Deutschland heute einen Wohnraum-Mangel gibt?

Andrej Holm: Die in einigen Städte drohende Wohnungsnot hat verschiedene Ursachen. Neben demografischen Effekten, den starken Wanderungsgewinnen mancher Städte in den letzten Jahren, sind es vor allem ökonomische und politische Ursachen, die zur aktuellen Problemlage geführt haben. Es wäre zu einfach, den Mangel an Wohnungen auf das Missverhältnis zwischen starkem Bevölkerungswachstum und stagnierender oder sogar rückläufiger Bautätigkeit zu verkürzen. Eine Ursache ist offensichtlich, dass Investitionen in den Neubau für einen Großteil der privaten Marktakteure ökonomisch nicht attraktiv genug sind. Das hat weniger mit den hohen Baupreisen als mit der wachsenden Ertragserwartung der Investoren zu tun. Solange mit Spekulationen auf starke Mietsteigerungen im Bestand eine hohe Rendite erzielt werden kann, wird es kein großes Interesse am Wohnungsneubau geben.

Lest das ganze Interview mit Andrej Holm: www.annotazioni.de

Keine Profite mit der Miete – Kurzer Bericht zur stadtpolitischen Aktivenkonferenz

28 Feb

Berlin boomt, von den europäischen Außengrenzen lassen sich immer weniger Migrant_innen abschrecken und mit Wohnen wird immer noch haufenweise Profit gemacht. Ein passender Zeitpunkt, um sich als stadtpolitische_r Aktivist_in mal wieder in größerer Runde auszutauschen. Nach der unglücklichen Entwicklung die der Mietenvolksentscheid im vergangenen Jahr genommen hat – juristische Zweifel, Rückzieher, Kompromiss, Vereinnahmung – luden die damaligen Initiator_innen und andere zu der Konferenz am 26. und 27. Februar an der TU Berlin ein. Selbstverständlich fühlten auch wir uns von der Veranstaltung angesprochen, da wir uns derzeit in langwierigen Verhandlungen mit der GESOBAU befinden.

Die Veranstalter_innen waren mit der gut besuchten Konferenz zufrieden, insbesondere weil sich viele unterschiedliche Initiativen und Kiezgruppen beteiligten. Neben bekannten Akteur_innen, wie Kotti & Co. oder der Interventionistischen Linken, konnte man auch Women in Exile, das Mietshäusersyndikat oder die kämpfenden Mieter_innen aus der Koloniestraße im Wedding oder vom Hansaufer in Moabit treffen. Von den vielen akut bedrohten linksradikalen Projekten, beispielsweise Friedel 54, Drugstore/ Potse, M99, Rigaer 94 oder aus der Wagenplatzszene war die Beteiligung allerdings verschwindend gering. Schade, lief doch der Kampf gegen Gentrification und für linke Freiräume lange und erfolgreich Hand in Hand.

Doch worum ging es konkret? Die Einladung hält fest: „3.000 Sozialwohnungen pro Jahr will der Senat in den nächsten Jahren fördern, mit viel zu kurzen Bindungen. Viel zu wenig: Berlin ist allein 2014 um 48.000 Menschen angewachsen. Wohnungsverbände und Politik schätzen, dass bis 2030 etwa 300.000 neue Wohnungen geschaffen werden müssen. Ein Konzept gibt es bislang allerdings nicht, und dass dabei die Bezahlbarkeit für alle Priorität hätte, ist nicht zu erwarten. Zugleich singt die Politik immer noch das hohe Lied auf Investor*innen, die man zum Bauen anregen will. […] Die Schaffung von günstigem Wohnraum ist ein wichtiger Beitrag um eine rassistische Spaltung der Stadtgesellschaft angesichts der vielen Neuberliner*innen aus den Krisenregionen dieser Welt zu verhindern.“

Stadtpolitische Aktivenkonferenz an der TU Berlin am 26./27.2.2016

Stadtpolitische Aktivenkonferenz an der TU Berlin am 26./27.2.2016 Weiterlesen

Drei Filme über Gentrifizierung

18 Jan

Auf der diesjährigen Globale laufen drei Filme über Gentrifizierung, die wir nur enpfehlen können. Das Filmfestival findet vom 28. bis 31. Januar im Movimento Kino am Kottbusser Damm statt.

Globale Gentrifzierung
Distopia
Donnerstag 28. Janaur 21 Uhr
Projekt von „Cidade Global“, Brasilien/Kolumbien. 2012/14, 64 Min., port./engl. mit engl. UT.
Ein Film über Protest und Widerstand gegen Gentrifizierungsprozesse und deren Folgen wie die Vertreibung ärmerer Bevölkerungsschichten im Zuge der WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 in der Millionenmetropole Rio de Janeiro.

Miete essen Seele auf
Sonntag 31. Januar 14 Uhr
Regie: Angelika Levi, Deutschland 2015, 65 Min., dt. mit engl. UT
Der Film dokumentiert zwei Jahre nachbarschaftlicher Organisierung und Protest am südlichen Kottbusser Tor. Er verknüpft die Wohnungsfrage mit der Geschichte der Migration und zeigt die Verbindung von Rassismus und urbaner Verdrängung.
Gäste: A. Levi und Protagonist*in

Sí se puede. Seven days at PAH Barcelona
Sonntag, 31. Januar 14 Uhr
Regie: Comando Video / Pau Faus, Spanien 2014, 51 Min., span. mit dt. UT
Barcelona 2014. Tagtäglich treffen sich im Rahmen der PAH (der „Plataforma de
Afectuados por la Hipoteca de Barcelona“) Betroffene von Zwangsräumungen, die als Resultat der Immobilien- und Wirtschaftskrise in ganz Spanien auf der Tagesordnung stehen.

Mieter*innen wehren sich!

10 Dez

Am Samstag, den 12. Dezember, veranstalten die Mieter*innen aus der Koloniestraße 2a ihre 3. Infoveranstaltung. Geht vorbei und zeigt eure Solidarität!

Koloniestraße 2a Wedding Koloniestraße 2a WeddingEs drohen ihnen fast 100%ige Mieterhöhungen. Ursprünglich waren die Häuser der Mieter*innen in der Koloniestraße für den sozialen Wohnungsbau gedacht. Doch der Eigentümer meldete Insolvenz an und die Häuser wurden verkauft – zu einem Vielfachen ihres urpsünglichen Baupreises. Nun will der neue Eigentümer diesen Preis als Kostenmiete auf die Mieter*innen umschlagen. Also ordentlich die Miete erhöhen, um Kosten hereinzubekommen, die er nie hatte.

Für die Mieter*innen bedeutet das, dass sie sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten können. Neue bezahlbare Wohnungen zu finden – an sich auf dem aktuellen Berliner Wohnungsmarkt ein Ding der Unmöglichkeit -, ist gerade für ältere, weniger mobile oder von Rassismus betroffenen Menschen ein nicht mal so eben zu bewerkstelligen.

Doch die Mieter*innen haben sich zusammengeschlossen und wehren sich. Am Samstag, den 12. Dezember von 12 bis 16 Uhr, veranstalten sie ihre 3. Infoveranstaltung in der Koloniestraße 2a. Kommt zahlreich!