BAIZ vor dem Aus?

12 Apr

Die alternativkulturelle Institution BAIZ in der Torstraße ist durch die neuen Hauseigentümer in ihrer Existenz bedroht. Damit ginge eines der letzten Zentren progressiver Kultur Prenzlauer Bergs verloren. Das BAIZ-Kollektiv, Gäste und Mieter/innen des Hauses werden entschlossen für den Verbleib kämpfen.

Offener Brief der BAIZ-Unterstützer_innen

Die Geschichte des Lokals geht bis in die DDR-Zeit zurück: Ob mit dem Namen
Bummelant, Chapiteau oder Dom kultury Berlin – immer war die Ecke an der
Christinenstraße ein Ort geselligen Beisammenseins und regen Austauschs. An
diese Tradition der Kiezkneipe knüpft in den gleichen geschichtsträchtigen
Räumen seit 10 Jahren das BAIZ als Kultur- und Schankwirtschaft an. „Für
mich ist das BAIZ zu einem zweiten Wohnzimmer geworden“, sagt Stadtplanerin
Ariane Sept.

Regelmäßig stattfindende Lesungen bekannter und weniger bekannter
Autor/innen, historische und aktuell politische Diskussionsabende und nicht
zuletzt Vorführungen fast in Vergessenheit geratener cineastischer Perlen
haben den Ort zu einem kulturellen Zentrum für eine bunte Mischung
unterschiedlichster Milieus werden lassen. „Bierverkaufen alleine wäre uns
auch zu langweilig“, bringt es der Wirt Matthias Bogisch auf den Punkt.

So ist über die Jahre eine einmalige Form der Berliner Eckkneipe mit den
niedrigsten Getränkepreisen der Torstraße entstanden, wo der Arbeitslose
neben dem Universitätsprofessor sitzt und die Schülerin mit dem Rentner
plaudert, auch die Bewohner/innen des Hauses kommen gerne ins Lokal. „Hier
ist einer der wenigen Orte in der Mitte Berlins, der nicht darauf angelegt
ist, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen“ ergänzt dazu der
Historiker Uwe Sonnenberg. Dieses selten gewordene und solidarisch gelebte
Miteinander zeigt sich auch nicht zuletzt in der großen Unterstützergemeinschaft für den Erhalt ihres BAIZ: Schon zu den ersten
beiden Treffen kamen jeweils über 100 Gäste und Kiezbewohner/innen. Das BAIZ und seine Nachbarschaft gehören zusammen, betonte auch Nachbar Sebastian Mäter auf einer der Zusammenkünfte: „Wenn das BAIZ geht, müssen wir
wahrscheinlich auch gehen und wenn wir nicht bleiben können, gibt es auch keine Perspektive fürs BAIZ.“

Ohne Wissen der Lokalbetreiber und der anderen Mietparteien verkaufte der
Besitzer im Herbst 2012 das gesamte Gebäude an die Zelos Properties GmbH –
hier gibt es übrigens interessanterweise personelle Überschneidungen mit der
Grüezi Real Estate AG (Stichwort: Schrottimmobilien, Rücktritt Justizsenator
Braun). Zelos wirbt, sobald es um lukrative Vertragsabschlüsse geht, für
dieses Projekt zwar mit einer „ausgeprägten Kulturszene“ des Kiezes, für das
Haus selber wird aber eine kulturelle und gastronomische Weiternutzung
kategorisch ausgeschlossen, stattdessen wäre dort ein weiteres Büroprojekt
geplant. Somit ist die Existenz des Lokals nur noch bis zum 31.10.2013
gesichert.

Auch für die Wohnungsmieter/innen ist die Lage alles andere als rosig: Laut
der kürzlich zugegangenen Modernisierungsankündigung sind drastische
Mietsteigerungen auf z.T. mehr als zu 300% avisiert. Speziell von den
Mieter/innen unerwünschte Modernisierungsmaßnahmen wie der Anbau von
Balkonen zur feinstaub- und lärmbelasteten Torstraße oder der Fahrstuhl für
das Drei-Etagen-Haus, der zudem nur über mehrere Zwischenstufen zu erreichen wäre und auf halber Treppe zwischen den Wohnungen hielte, treiben den Mietpreis drastisch in die Höhe.

Wir wollen uns nicht damit abfinden, dass verschwindet, was den Kiez seit
Jahrzehnten auszeichnet und lebenswert macht. Die Politik ist gefordert, den
bestehenden Milieuschutz tatsächlich und zügig umzusetzen, sonst wird es
bald kein schützenwertes Milieu mehr geben. Das weitere Ausbluten der
kulturellen Identität dieser Stadt und dieses Kiezes, zu der auch zwingend
das BAIZ gehört, muss gestoppt werden. Die Zeit drängt!

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